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23.02.2018 - 11:27

Mynewsdesk: PhysioPraX-Gutachten für das Erhebungsjahr 2015 liegt vor

Erstmals bundesweites Datenmaterial

Haar, 23.02.2018: Am 21.02.2018 wurden in Nürnberg die Ergebnisse des PhysioPraX-Gutachtens über den Erhebungszeitraum 2015 präsentiert. Damit liegt nach den Erhebungsjahren 2008/09, 2011 und 2013 bereits die vierte wissenschaftlich untermauerte Analyse der betriebswirtschaftlichen Situation physiotherapeutischer Praxen vor. Für das aktuelle Gutachten konnte erstmals bundesweites Datenmaterial ausgewertet werden. Denn dem durch PHYSIO-DEUTSCHLAND, Landesverband Bayern, ins Leben gerufene Projekt haben sich für den Betrachtungszeitraum 2015 insgesamt 21 Landesverbände und –gruppen der beiden stärksten physiotherapeutischen Berufsverbände, PHYSIO-DEUTSCHLAND und VPT, angeschlossen. Gleichwohl stammen die meisten Datensätze aus Bayern. Insgesamt konnten in der aktuellen Erhebung 477 Datensätze ausgewertet werden. Das erhöht die wissenschaftliche Aussagekraft im Vergleich zu den ersten drei Erhebungen (N
Ertragssituation nach wie vor unbefriedigend
Um in der Auswertung stärker die unterschiedlichen Praxisstrukturen zu berücksichtigen und somit die Aussagekraft der Erhebung zu verbessern, wurden die teilnehmenden Physiotherapiepraxen nach Umsatzklassen (UK) geordnet. Die Auswertungen zeigen beispielsweise, dass Praxen der UK II (70.000 – 170.000 Euro) – das ist die Umsatzklasse mit der höchsten Beteiligung – im Jahr 2015 einen durchschnittlichen jährlichen Reinertrag von 46.139 Euro je Praxisinhaber erzielten. Dieser ist stark von der Praxisgröße abhängig. Der Reinertrag nimmt mit steigendem Umsatz zu, was wenig überraschend ist. Es verbleibt in der UK II je Praxisinhaber ein monatlich verfügbares Einkommen von durchschnittlich 1.420 Euro. Die Zahlen zeigen, dass vor allem die Führung kleiner Praxen unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten als unbefriedigend einzustufen ist. Besonders deutlich wird dies bei Betrachtung des Reinertrages je Wochenarbeitsstunde des Praxisinhabers. Würde der Praxisinhaber die gleiche Zeit als angestellter Physiotherapeut arbeiten, könnte er ein höheres Einkommen erzielen. Dies macht die Berechnung eines Bruttostundenlohns sichtbar. Dieser liegt bei der kleinsten Umsatzklasse mit knapp sieben Euro deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn.

Personal- und Raumkosten dominieren
Die beiden größten Aufwandspositionen stellen die Personal- und Raumkosten dar. Über alle Klassen hinweg zeigt sich, dass die Personalausgaben mit dem Umsatz wachsen, was für Dienstleistungen typisch ist. Die Erlöse korrelieren eng mit der Zahl der Therapeuten. Die Raumkosten steigen ebenfalls mit dem Umsatz, im Vergleich zu den Personalkosten jedoch deutlich gemäßigter, da jeder Praxistyp eine Mindestfläche vorhalten muss.
Der prozentuale Anteil der Raumkosten an den Gesamtkosten nimmt mit steigender Umsatzklasse ab, während die Personalkosten anteilig zunehmen.

Beträchtlicher Finanzierungsbeitrag durch Private Krankenversicherungen (PKV)
Der Anteil der Erlöse durch Gesetzliche Krankenversicherungen (GKV) an den gesamten Praxiserlösen sinkt mit der Größe der Umsatzklasse. Korrespondierend nimmt der Anteil an PKV-Erlösen zu. Größere Praxen erzielen demnach einen höheren Teil ihres Gesamterlöses durch PKV-Leistungen als Praxen der kleineren Umsatzklassen. Über alle Klassen hinweg liegt der Anteil der GKV-Erlöse zu den gesamten Praxiserlösen bei 72 Prozent.

Kennzahlen zur Praxisorganisation
Im Erhebungsjahr 2015 gaben die Praxen an, bei KG Einzelbehandlung in einem Arbeitstakt von durchschnittlich 24,3 Minuten zu arbeiten. Die durchschnittlich geplante Wegezeit für Hausbesuche wurde mit 20 Minuten angegeben.
Was die allgemeine Praxisorganisation für das Jahr 2015 betrifft, gaben 197 der 477 antwortenden Praxen (41 Prozent) an, mit geregelter und bezahlter Organisationszeit zu arbeiten. Der Durchschnittswert lag bei zwei Stunden und 42 Minuten.
Die wöchentliche, durch GKV-Patienten verursachte, Ausfallzeit lag im Durchschnitt bei drei Stunden und 42 Minuten - die wöchentliche Ausfallzeit durch Unterauslastung wurde mit einer Stunde und 42 Minuten, der durchschnittliche Verwaltungsaufwand je Praxis mit 30 Stunden und 42 Minuten angegeben

Beträchtlicher Bürokratieaufwand mindert Umsatzerlöse
Verwaltungsaufwand ist aus Sicht einer Praxis unbezahlte Arbeitszeit, die zu Lasten möglicher Patientenbehandlungen geht und damit zu einem Erlösausfall führt. Unbezahlter Aufwand eines Betriebes zu Gunsten eines Dritten erfüllt die Merkmale von Bürokratiekosten.
Der Bürokratieaufwand wird sowohl in Arbeitszeit (Bürokratiezeitindex) aber auch in Euro mit den sogenannten Opportunitätskosten gemessen (Bürokratiekostenindex). Letzterer wird mit dem Stundenertrag pro Praxisinhaber bewertet. Beide Indizes, die auf dem Jahr 2009 basieren (=100 %) stiegen im Zeitverlauf bis 2015 auf 114 bzw. 163 Prozent an. Der Bürokratiekostenindex stieg deutlich steiler (163 Prozent) an. Die Bürokratiekosten je Woche lagen 2015 für die Praxisinhaber bei 360 Euro. Spitzenwerte erreichten die Bürokratiekosten für Praxisinhaber der größten Umsatzklasse mit 872 Euro.

Einen weiteren erheblichen Kostenpunkt stellen die Ausgaben für Verwaltungsmitarbeiter dar. Diese belaufen sich jährlich auf durchschnittlich rund 19.000 Euro je Praxis. Hier gibt es jedoch starke Schwankungen, da vor allem in den kleineren Umsatzklassen seltener Verwaltungskräfte angestellt sind bzw. oft nur in Teilzeit.

Weitere Entlastungen nötig
Auch das vierte PhysioPraX-Gutachten macht überdeutlich, wie hoch der wirtschaftliche Druck auf physiotherapeutische Praxen nach wie vor ist. Um Entlastung zu schaffen und dem kontinuierlich steigenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken, müssen von Seiten der Politik und Kostenträger weitere Verbesserungen der Rahmenbedinungen erfolgen. Das Aussetzen der Grundlohnsummenanbindung bei den Verhandlungen bis zum Jahr 2019 ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Ob die zeitliche Einschränkung dieses Zugeständnisses ausreichend ist, bleibt mehr als fragwürdig. Genau wie die Tatsache, dass der hohe Bürokratieaufwand für Praxisbesitzer nach wie vor nicht entlohnt wird.

Das Projekt PhysioPraX wird auch in den kommenden Jahren auf Bundesebene fortgesetzt. Die Vorbereitungen für die Erhebung des Jahres 2016 laufen bereits. Mit dem IFK hat ein weiterer physiotherapeutischer Berufsverband seine Teilnahme zugesagt, damit wird die wissenschaftliche Aussagekraft der Daten noch einmal deutlich wachsen.

Über PhysioPraX
Seit 2011 führt PHYSIO-DEUTSCHLAND, LV Bayern, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) eine Analyse der betriebswirtschaftlichen Situation von Physiotherapie-Praxen durch. Ziel des Projektes unter Leitung von Prof. Dr. Günter Neubauer ist es, eine objektive Datengrundlage zu erhalten: Einerseits stellt die Analyse den teilnehmenden Praxisinhabern Orientierungs- und Vergleichswerte für eine wirtschaftliche Praxisführer zur Verfügung. Andererseits liefern die anonymisierten Daten dem Verband valides Datenmaterial, das als Grundlage für die Vertragsverhandlungen mit den Gesetzlichen Krankenkassen dient.

Weitere Infos zum Projekt unter www.bwa-physioprax.de.

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Pressekontakt ===

Frau Silke Becker-Hagen

Deutscher Verband für Physiotherapie, LV Bayern e. V.
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Der Deutsche Verband für Physiotherapie (PHYSIO-DEUTSCHLAND), LV Bayern e. V. ===

Der Deutsche Verband für Physiotherapie e.V. bildet die Dachorganisation von rund 28.000 Mitgliedern in 12 Landesverbänden. Der Landesverband Bayern vertritt die berufspolitischen und fachlichen Interessen für rund 4.500 freiberufliche und angestellte Physiotherapeuten sowie für Schüler und Studierende in Bayern.
Der Deutsche Verband für Physiotherapie ist der einzige deutsche Berufsverband für Physiotherapeuten, der in internationalen Fachorganisationen Sitz und Stimme hat. Wir setzen uns für die Qualität in Aus-, Fort- und Weiterbildung von Physiotherapeuten ein und sind bestrebt, die akademische Qualifizierung von Physiotherapeuten in Deutschland umzusetzen. In der Heilmittelversorgung arbeitet der Deutsche Verband für Physiotherapie für einen hohen Qualitätsstandard. Vielseitige Informationen zur Physiotherapie finden Interessierte in Faltblättern, Broschüren und auf der Homepage des Deutschen Verbandes für Physiotherapie unter www.physio-deutschland.de.

Frau Silke Becker-Hagen

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(Mynewsdesk)

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